Philosophie zwischen Ausschluss und Teilhabe – Finale des Bundeswettbewerbs Philosophischer Essay
Vom 24. bis 27. Februar 2026 fand im Franz-Hitze-Haus in Münster die diesjährige Philosophische Winterakademie statt. Sie bildete den feierlichen Abschluss des Landes- und Bundeswettbewerbs Philosophischer Essay.
Unter dem Leitgedanken
„Philosophie zwischen Ausschluss und Teilhabe: Feministische Perspektiven und Kanonkritik“
arbeiteten 23 Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet intensiv an Fragen philosophischer Gerechtigkeit, Kanonbildung und epistemischer Verantwortung.
Philosophie als Übung in Mündigkeit
Im Mittelpunkt der Akademie stand die Frage:
Wer wird im philosophischen Diskurs gehört – und wer nicht?
Die Auseinandersetzung mit historischen Mechanismen des Ausschlusses, insbesondere mit Blick auf Geschlechterverhältnisse, eröffnete neue Perspektiven auf die Geschichte und Gegenwart der Philosophie. Feministische Philosophie wurde dabei nicht als Randthema verstanden, sondern als produktive Herausforderung des philosophischen Selbstverständnisses.
Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierungen und wachsender Informationsflut zeigt sich:
Philosophie ist eine zentrale Kompetenz demokratischer Mündigkeit.
Wer argumentieren, zuhören, Perspektiven wechseln und begründet widersprechen kann, übernimmt Verantwortung für das eigene Urteil – und für den öffentlichen Diskurs.
Vorträge und Workshops: Kanonkritik im Dialog
Renommierte Referentinnen aus der universitären Philosophie begleiteten das Programm:
- Prof. Dr. Franziska Dübgen (Universität Münster) „Feministische Philosophie im 20. Jahrhundert. Strömungen und Kontroversen“
- Gesche Jeromin (Universität Münster)Planspiel und vertiefender Workshop zum Vortrag
- Prof. Dr. Annika von Lüpke (PH Karlsruhe) Vortrag: „Von Glück und politischer Teilhabe ausgeschlossen: Frauen in der Praktischen Philosophie des Aristoteles“Workshop: „‚Da habe ich mich dann einfach fehl am Platz gefühlt‘ – Über die Folgen eines verengten Kanons für die gegenwärtige akademische Philosophie“
Neben den wissenschaftlichen Impulsen arbeiteten die Teilnehmenden eigenverantwortlich in Gruppen, diskutierten kontrovers und entwickelten eigene philosophische Positionen.
Essay-Finale 2026: Philosophisches Denken unter Wettbewerbsbedingungen
Kernstück der Winterakademie war der fremdsprachliche Essay-Wettbewerb.
Innerhalb von vier Stunden verfassten die Finalistinnen und Finalisten einen philosophischen Essay zu einer anspruchsvollen Fragestellung.
Die Jury aus erfahrenen Philosophie-Lehrkräften ermittelte folgende Preisträgerinnen und Preisträger:
1. Platz:
Matej Ditte (Waake, Niedersachsen) – Felix-Klein-Gymnasium Göttingen
2. Platz:
Yara Handschin (Berlin) – Nelson-Mandela-Schule Berlin
3. Platz:
Elliot Belmadani (Bremen) – Gymnasium Vegesack
4. Platz:
Zewa Al Sino (Münster, Nordrhein-Westfalen) – Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasium Münster
5. Platz:
Maryam Schmidt (Aachen, Nordrhein-Westfalen) – Inda-Gymnasium Aachen
Internationale Philosophie-Olympiade 2026
Die beiden Erstplatzierten, Matej Ditte und Yara Handschin, werden Deutschland im Mai 2026 bei der Internationalen Philosophie-Olympiade in Warschau vertreten.
Die Teilnahme an diesem internationalen Wettbewerb stellt eine besondere Auszeichnung dar und würdigt die herausragenden philosophischen Leistungen der beiden Schülerinnen und Schüler.
Ein Ort des bundesweiten philosophischen Austauschs
Die Philosophische Winterakademie bleibt ein zentraler Ort des Dialogs zwischen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und universitärer Philosophie.
Sie zeigt eindrucksvoll:
Philosophisches Denken ist keine rein akademische Übung – es ist eine Praxis der Verständigung, der Kritik und der Verantwortung.
